Der Turnverein im Dritten ReichDie innere Einstellung des Rüppurrer Turnvereins gegenüber der NS-Regierung in dieser Zeit ist schwer anhand der Vereinsakten auszumachen. Auf die meisten Vereine übte das Deutsche Turnfest 1933 in Stuttgart großen Einfluß aus. Erstmals in der Turngeschichte war mit Hitler ein Reichskanzler zugegen. Mit Hitlers Bekenntnis "zu Jahn, dem deutschen Volkstum und dem deutschen Turnen" erlebte das Turnen und der Sport eine bisher langersehnte Aufwertung. Tausende ließen sich von den mitreißenden Reden des Reichskanzlers berauschen, so auch der Turnverein Rüppurr, der mit 40 Teilnehmern in Stuttgart dabei war. 1934
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Das Dritte Reich 1933-1945Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler berufen, und kurze Zeit später erfolgte die Machtübernahme der NSDAP nach der gewonnenen Reichstagswahl am 5. März 1933. Ihr Ziel lautete: "Befestigung der totalen Macht der NSDAP und des 'Führerprinzips' durch 'Gleichschaltung'." Die Nationalsozialisten nahmen ab sofort die bedeutenden Führungspositionen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens ein. Reichsweit existierte nur noch eine Partei: die NSDAP. Alle anderen Parteien wurden verboten, die Gewerkschaften zerschlagen, die Pressefreiheit abgeschafft und die Grundrechte mehr oder weniger aufgehoben. Die politische Entwicklung in Deutschland beeinflußte auch entschieden die turnerische Arbeit. So bekannte sich die Deutsche Turnerschaft (DT), der der Rüppurrer Turnverein angehörte, zum Nationalsozialismus und forderte alle Vereine auf, "sich mit aller Kraft der nationalen Erhebung des deutschen Volkes und ihrer Führer zur Verfügung zu stellen." Den Vorsitz der DT übernahm 1932 Edmund Neuendorff. Er setzte sich von nun an zwangsläufig für eine nach nationalsozialistischen Zielen ausgerichtete Arbeit innerhalb dieser Organisation ein. Folglich wurde in die Satzung der DT der Arierparagraph aufgenommen. Er schrieb vor, daß alle männlichen und weiblichen Mitglieder der DT, die jüdischer Abstammung sind, aus der DT ausscheiden müssen. Es wurde keine Zeit verloren, diese Maßnahmen durchzuführen, damit das 2. Deutsche Turnfest in Stuttgart ohne jüdische Turner ausgetragen werden konnte. Nachdem Neuendorff 1933 aus der NSDAP austrat, wurde er auf Weisung des späteren "Reichssportführers" Hans von Tschammer und Osten abgesetzt. Unter dem Druck der Regierung löste sich im Mai 1933 der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen (DRA) als selbständige Organisation in seiner bisherigen Form auf. Reichssportführer Tschammer und Osten verkündete daraufhin im Juli 1934 die Neuordnung der deutschen Turn- und Sportbewegung in dem neuen "Deutschen Reichsbund für Leibesübungen" (DRL), eine Vereinigung sämtlicher bürgerlicher Vereine und Verbände. Der deutsche Sport wurde jetzt in 21 Fachämter eingeteilt, wobei sich die DT als Fachamt 1 (Turnen) im DRL auf die Zuständigkeit der Gebiete Gerätturnen, Gymnastik und Sommerspiele beschränken mußte. Der Einfluß der Nationalsozialisten auf die SportvereineDer Einfluß der Nationalsozialisten gewann immer stärker an Bedeutung. Im Juli 1934 traf der Reichssportführer zusammen mit dem Reichsjugendführer eine bedeutende Entscheidung für die Turn- und Sportjugend: "In der Erkenntnis, daß es nur eine Jugend gibt und daß ihre Gesamterziehung nur in der Hitlerjugend erreicht werden kann, vertritt der Reichssportführer den Standpunkt, daß die Jugendlichen des Reichsbundes für Leibesübungen Mitglieder der Hitlerjugend sein müssen." Den Vereinen des DRL wurde verboten, Jugendliche aufzunehmen, die nicht Mitglieder der HJ waren. Die Hitlerjugend hatte die Jugendarbeit übernommen, so daß der Besuch der Übungsstunden innerhalb der Vereine immer spärlicher wurde. Wer sportlich erfolgreich sein wollte, mußte sich auch politisch zur NSDAP bekennen. Die Kontrolle der NSDAP über den Sport und dessen Organisationen fanden ihren Höhepunkt, als 1938 der DRL in den "Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen" (NSRL) umbenannt wurde. Dadurch war der Sport in Deutschland fest in die Partei eingegliedert, deren "politische Leibeserziehung" sich streng an die Prinzipien des Nationalsozialismus hielt. Darunter verstand man: "Erziehung zur Volksgemeinschaft, Rassenreinheit und Rassenbewußtsein, Wehrhaftigkeit, Kraft, Mut, Stärke und Führertum." Es handelte sich nicht mehr um Erziehung im traditionellen Sinn, die NSDAP forderte vielmehr die "totale Erfassung und Manipulation jedes einzelnen Menschen durch den totalen Staat." |
| Grundlage der Geschichtsseiten ist eine Wissenschaftliche Arbeit für die Zulassung zum 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien unter dem Titel: "Die historische Entwicklung des Turn- und Sportvereins 1874 Rüppurr e.V. von den Anfängen bis heute", angefertigt im Dezember 1998 von Kirstin Klee aus Forst am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe unter Prof. Dr. Georg Kenntner. |