Wer 50 wird und seinen Geburtstag feiert, kann sich naturgemäß nicht an seinen Ur- oder gar Eisprung erinnern. Wohl aber die Leichtathleten beim TUS. Sie waren 1957 Teenies, ab 13 aufwärts, und sie wussten, was sie tun. Sie trainierten, kämpften um die Wette, trainierten wieder, errangen Erfolge. Sie entdeckten ihre erste Leidenschaft, schneller laufen, weiter und höher springen und werfen zu können.
Daran konnten sie sich auch 50 Jahre später noch sehr gut erinnern - und es war am 8. Juli 2007 Anlass zu feiern.
Damals mag ein Sonntagmorgen wie dieser mit einem Waldlauf begonnen haben, 50 Jahre später mit einem Waldspaziergang. Vom Parkplatz am Vogelsang in Ettlingen ging es über den Bismarckturm hinauf zum Wochenendgrundstück ihres leider zu früh verstorbenen Sportkameraden Jürgen Rothe. Auf dem Robberg empfing seine Frau Uschi Rothe alle „Waldläufer“ zu einem Willkommens-Frühschoppen. Wer sich schon lange nicht gesehen hatte, lag sich in den Armen, tauschte Komplimente und die neuesten Info´s zu Familienstand und wie, wer und wo abgeblieben ist. Wiedersehensfreude allenthalben.
Stargast war Hans Holder: 85 Jahre jung, nach wie vor mit sportlicher Figur. Er war es, der unvergesslich für alle Ehemaligen vor 50 Jahren die Idee verwirklichte, für die sport- und wettkampfbegeisterten Mädels und Jungs eine eigene Leichtathletikabteilung im TUS zu gründen.
![]()
Er blieb ihr Gast, als es am frühen Nachmittag zum Vereinsheim zurück ging, wo ab 14 Uhr bei trockenem Wetter open air in festlich arrangierten und geschmückten Zeltpavillons auf dem Hauptspielfeld zur Jubiläumsfeier geladen war. Dazu durfte der Abteilungsleiter neben dem Gründungsvater Hans Holder auch den Kreisvorsitzenden des Badischen Leichtathletikverbandes, Herrn Bernd Axnik, und mit dem Vorsitzenden des TUS inzwischen mehr als hundert ehemalige Leichtathletinnen und Leichtathleten mit ihren Partnern begrüßen. Die Resonanz derjenigen, die sich nach wie vor mit ihrer Leichtathletikabteilung teilweise von weit her verbunden fühlen, war riesig.
In seinem Rückblick überließ es Hans-Jürgen Heckenhauer dem Vereinsvorsitzenden, aus der Veröffentlichung von Kirstin Klee in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum des TUS die Erfolgsgeschichte der Leichtathletikabteilung in Erinnerung zu rufen:
Bekanntlich hatte der TUS 1956 eine 400 m Aschenbahn, drei Weitsprung-, eine Hochsprung- und eine Kugelstoßanlage einweihen können und damit die materiellen Voraussetzungen für die Gründung der neuen Abteilung geschaffen. Ihr herausragender Athlet dieser Zeit war Hans-Jürgen Heckenhauer, der 1958 über 1500 m den Badischen Waldlauf-Meistertitel erzielte. 1960 wurde er Badischer Jugendmeister über 400 m und sicherte sich im Leichtathletik-Fünfkampf 1962 bei den Badischen Mehrkampf-Meisterschaften in Baden-Baden den Titel des Badischen Meisters. Weitere Spitzenathleten wie Marie-Luise Göckel (heute: Funk) sowie Joachim Wurster konnten auf dem Landesturnfest 1964 in Karlsruhe im Leichtathletik-Vier- und Sechskampf den 1. Platz belegen. Helmut Wurster gelang 1966 die Badische Vizemeisterschaft im Leichtathletik-Fünfkampf. In 1970 errangen die bereits zu den Veteranen zählenden Gründungsmitglieder einen beachtlichen Erfolg, als sie mit Helmut und Joachim Wurster und Hans-Jürgen Heckenhauer die Badische Mannschaftsmeisterschaft im Zehnkampf gewannen.
1963 wurden dank der Bemühungen von Arthur Sauter und des damaligen Abteilungsleiters Winfried Kutterer sogar inter-nationale Verbindungen und Partnerschaften geknüpft. So kam es zu Begegnungen der Leichtathleten des TUS mit den Athleten des ASFC La Seyne in Südfrankreich. Bei den jeweiligen Treffen waren es sowohl die sportlichen als auch die kulturellen Aspekte, die enge Freundschaften und unvergessliche Eindrücke hinterließen. Eine weitere enge Partnerschaft entwickelte sich durch viele Wettkämpfe und Kameradschaftsabende mit den Athleten von Oberhausen am Kaiserstuhl.
In den letzten rund 30 Jahren lebt die Abteilung von und mit zwei unermüdlichen Trainerpersönlichkeiten: Seit 1976 liegt die Betreuung der Kinderleichtathletik in der Hand von Monika Blenk. Sie macht die Knochenarbeit, bändigt die Minis, führt sie an die Technik der Leichtathletik heran und übergibt sie dann im Alter zwischen 10 und 11 Jahren an Volker Meier zum Feintuning. Er trainiert die Jugendlichen seit 1978. „Girls für Volker“ war eine von ihm in den 80er Jahren auf Kreis- und Landesebene zum Erfolg geführte 4 x 100 m Staffel mit Jutta Reick, Katja Kessler, Britta Fense und Anke Heckenhauer.
Alex Kleber war Anfang der 90er Jahre der erfolgreichste Athlet mit mehreren Kreismeistertiteln über die 100 m und im Weitsprung.
Seit 1985 hat sich die Leichtathletikabteilung der LG Karlsruhe angeschlossen, wodurch sich u.a. neue und bessere Trainingsmöglichkeiten ergaben, z.B. die Mitbenutzung der Europahalle.
Dank ihren beiden Trainern, die es in be-wundernswerter Weise verstehen, Generation um Generation zu motivieren, darf die Abteilung mit Stolz nicht nur zurück, sondern auch nach vorne blicken. Am Tag des Feierns qualifizierten sich rechtzeitig zum Glückwunsch an ihre Abteilung die 14 jährigen Mädchen Patricia Maag, Isabelle Schwingen und Mirjam Westram bei den Badischen Schülermeisterschaften in Konstanz.
Zum Abschluss seiner Erfolgsbilanz be-dankte sich Hans-Jürgen Heckenhauer im Namen aller Ehemaligen beim Gründer und Lehrmeister Hans Holder für seine Idee und deren Verwirklichung mit einem Präsentkorb.
Der Kreisvorsitzende des Badischen Leichtathletikverbandes, Herr Bernd Axnik, würdigte sodann die Verdienste von Hans- Jürgen Heckenhauer vom jugendlichen Wettkämpfer bis hin zu seinem jahrzehntelangen Einsatz als Abteilungsleiter und überreichte ihm dafür die Urkunde und Goldene Ehrennadel des Präsidiums des Deutschen Leichtathletikverbandes.
Der Vorsitzende des TUS bedankte sich für die vorbildliche Arbeit der Abteilung und ihrer Übungsleiter und ihr solidarisches Mitwirken im Verein.
Der Weggefährte seit ihrer ersten Stunde, Herbert Landes, bedankte sich namens aller Leichtathletinnen und Leichtathleten bei seinem Mitkämpfer und Freund Hans-Jürgen Heckenhauer mit einer Einladung zu einem Tourneeabend mit Anna Netrebko und Rolando Villazón, wohl wissend, dass sein Abteilungsleiter neben der Leichtathletik auch noch weitere Leidenschaften kennt.
An den eher gelockert offiziellen Teil schloss sich ein köstliches „italo-nisches“ Büffet und bis zum Abend ein Austausch und Wiederbeleben von Erinnerungen an mit dem allseitigen Eindruck eines rundum gelungenen Jubiläums. Schön dabei gewesen zu sein.