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Wie war die Situation in Deutschland?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Sportbetrieb hatten auch den Orientierungslauf nicht verschont, obwohl unsere Sportart selbst in Corona-Zeiten gut betrieben werden kann: Jeder startet einzeln, die Postennachweise und die Zeitmessung erfolgen kontaktlos elektronisch und es wird, da ein Natursport, immer im Freien gelaufen. Orientierungslauf ist allerdings eine Randsportart und zu unbedeutend, um für sich Sonderregelungen in Anspruch nehmen zu können. So wurden – ebenso wie beim Turnen – alle Deutschen Meisterschaften und Bundesveranstaltungen für dieses Jahr abgesagt. Im Sommer waren zumindest auf Landesebene wieder regionale Wettkampfveranstaltungen unter strengen Hygieneauflagen möglich.

Wie war die Situation in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg gibt es ungefähr 180 Orientierungsläuferinnen und -läufer, die ihren Sport wettkampfmäßig betreiben. Diese sind landesweit in 14 Vereinen organisiert, wobei nur wenige Vereine groß genug sind, um selbständig Wettkämpfe zu organisieren. Der TUS Rüppurr ist einer von ihnen, weswegen unser Verein jedes Jahr in der Pflicht steht, mindestens eine Landesveranstaltung zu organisieren, entweder eine der drei baden-württembergischen Meisterschaften (Langdistanz, Mitteldistanz oder Staffel) oder einen Landesranglistenlauf. Bei der Wettkampfplanung Ende 2019 hatten wir uns bereit erklärt, am Wochenende 3./4. Oktober 2020 eine Doppelveranstaltung zu organisieren, einen Doppelsprint in Karlsbad als Landesranglistenlauf mit Wertung für die Deutsche Parktour und die baden-württembergischen Meisterschaften auf der Mitteldistanz im Karlsruher Bergwald. Da das Hygienekonzept sowohl Doppelveranstaltungen als auch Sprintwettkämpfe nicht ermöglichte, konzentrierten wir uns auf die Ausrichtung der baden-württembergischen Meisterschaften, da diese die einzige Möglichkeit für die Läuferinnen und Läufer im Jahr 2020 war, Medaillen zu gewinnen.

Wie war die Situation in Karlsruhe?

Im TUS Rüppurr betreiben ungefähr 30 Sportlerinnen und Sportler wettkampfmäßig Orientierungslauf. Mit ihren Erfolgen, auch auf Bundessebene, mit Andrea Rosemeier als Fachwartin im Karlsruher Turngau und Bernd Döhler als Beauftragten für Kartenwesen im Landesfachausschuss ist der TUS Rüppurr heute eine der tragenden Säulen des Orientierungslaufs in Baden-Württemberg. Die organisatorischen Vorbereitungen für den diesjährigen Wettkampf reichen 5 Jahre zurück. Bereits im ersten Halbjahr 2015 waren mehrere umfassende Gespräche mit den kommunalen Genehmigungsbehörden über die Zukunft des Orientierungslaufes in der Stadt Karlsruhe geführt worden. Ziel war es, Klarheit über langfristig nutzbare Laufgebiete zu erhalten sowie Umfang und Zeitraum möglicher OL-Aktivitäten abzuklären. Unser Wunsch war, einmal pro Jahr einen Wettkampf auf Karlsruher Gemarkung ausrichten und monatlich trainieren und dabei unterschiedliche Waldgebiete der Stadt nutzen zu können. Angesichts der Situation, dass die Karlsruher Wälder zu 75 % als FFH- oder Vogelschutzgebiete der europäischen Schutzgebietskulisse Natura 2000 eingestuft sind, gestaltete sich der Abstimmungsprozess schwierig und langwierig. Letztlich konnte immerhin ein Waldgebiet, der Bergwald, für die Ausübung unserer Sportart unter strengen Auflagen als genehmigungsfähig in Aussicht gestellt werden. Im Oktober 2018 nutzten wir erstmals das Gebiet rund um die Bergwaldsiedlung für die Ausrichtung der baden-württembergischen Staffelmeisterschaften. Bei den diesjährigen Mitteldistanz-Meisterschaften sollte im nordöstlichen Teil des Waldgebiets Richtung Geigersberg gelaufen werden.

Baden-Württembergische Meisterschaften Mitteldistanz in Karlsruhe

In ungefähr 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde im Frühjahr und Sommer des Jahres 2020 von unseren erfahrenen Orientierungsläufern Attila Kovacs, Erik und Bernd Döhler mit Hilfe der freien Spezialsoftware „OpenOrienteeringMapper“ für die Meisterschaften eine neue Orientierungslaufkarte erstellt. Grundlage bildeten ein Export von „OpenStreetMap“ und das digitale Geländemodell (DGM) des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden‐Württemberg. Nach Fertigstellung der Karte und der Planung der Strecken war die Durchführung der Veranstaltung dennoch fraglich. In den letzten Jahren hatte sich durch die Zunahme des Wildbestandes, neue Jagdpächter, Gebiete mit Eschentriebsterben und neue Bannwaldgebiete die Situation im Laufgebiet so verändert, dass die Durchführung eines Orientierungslaufes nahezu unmöglich schien. Dass die Meisterschaften dennoch stattfinden konnten, ist in hohem Maße dem Entgegenkommen des städtischen Forstamtes zu verdanken, mit dessen Unterstützung in konstruktiven Gesprächen trotz der schwierigen Lage ein für alle tragbarer Kompromiss gefunden werden konnte. Unser Wettkampf musste allerdings hinsichtlich Start, Ziel und Streckenführung unter Berücksichtigung von zahlreichen Sperrgebieten kurzfristig völlig neu geplant werden.

Das Corona-bedingte Hygienekonzept erforderte zudem zahlreiche Besonderheiten gegenüber der gewohnten Wettkampforganisation wie beispielsweise ausschließlich Online-Anmeldung und -Startgeldbezahlung, keine Möglichkeit der Nutzung von Umkleiden und Duschen sowie die Bereitstellung einer Dixi-Toilette am Start, kein Wettkampfzentrum, kein Kinder-Orientierungslauf und keine Anfängerstrecken, kein Zielgetränk und keine Siegerehrung. Mit fast 120 Teilnehmenden fand der Wettkampf eine sehr gute Resonanz, so dass in 16 Alterskategorien baden-württembergische Meister gekürt werden konnten. Bei Streckenlängen zwischen 1,6 km und 4,9 km (Luftlinie) waren je nach Kategorie zwischen 8 und 23 Kontrollposten anzulaufen und erhebliche Höhenmeter zu bewältigen. Auf 7 unterschiedlichen Strecken lagen die Siegerzeiten zwischen 15 min (Kinder) und 35 min (Herren).

Vom TUS waren 8 Kinder und Jugendliche in den Meisterschaftsklassen am Start, da die erwachsenen TUS-Sportler als Veranstalter nicht startberechtigt waren. Umso erfreulicher ist die Bilanz von 6 Medaillen für unseren Verein: 3 x Silber und 3 x Bronze. André Gräf (H12), Marika Prolingheuer (D14) und Rico Lösel (H18) gewannen jeweils Bronze, wobei sich die 12-jährige Marika – obwohl noch in der Altersklasse D12 startberechtigt – der stärkeren Konkurrenz der älteren Kategorie D14 stellte. Besonders hervorzuheben sind auch die beiden Silbermedaillen unserer mit 10 Jahren jüngsten Teilnehmer Lenya Stieler und Emil Prolingheuer in den Kategorien D12 bzw. H12. Eine weitere Silbermedaille konnte Kai Breckle in der Altersklasse H14 erringen.

Nicht wenige Sportler vermissten nach ihrem Lauf den persönlichen Gedankenaustausch über die gelaufenen Strecken und die besten Routen, jedoch gibt es im Internet Möglichkeiten, alle Teilzeiten zwischen den Kontrollposten zu analysieren oder die gelaufene Strecke einzuzeichnen, um sich mit anderen vergleichen zu können. Letzten Endes freuten sich alle, trotz der notwendigen Corona bedingten Einschränkungen wieder ihrem Sport nachgehen zu können.