Von Prof. Gert Peter, Architekt

Begonnen hatte alles vor etwa 30 Jahren: Ich hatte auf der Tennisanlage so ein gewisses Unbehagen, was das ehemalige Trafohaus mit dem Holzvorbau und dem anschließenden Zelt anging.

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Ich beschloss daher, meinen Studenten an der Fachhochschule Karlsruhe die reizvolle Aufgabe „Tennis-Pavillon“ zu stellen. Das interessante Ergebnis konnte im Sommer 1988 von einer TUS-Delegation in der Fachhochschule bestaunt werden. Die besten Arbeiten wurden der Tennisabteilung im Herbst 1988 mit Modellen vorgestellt.

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Aber die Tennisabteilung hatte damals ganz andere Sorgen: Medenspiele waren angesagt und dazu musste ein weiterer Tennisplatz her. Ehe ich mich versah, war ich für die Anlage zuständig mit dem „Himmelfahrtskommando“, Platz 7 mit möglichst internationalen Maßen im „Bermuda-Dreieck“ zu planen und zu bauen. Ganz so international ist dieser Platz zwar nicht geworden; dafür hat unsere Anlage aber eine, wie ich meine, schöne optische Abrundung erfahren, nicht ganz ohne das Zutun der Herren Mürb und Rieder. Mit den Unterrichts- und Übungsstunden unserer Tennis- Jugend auf Platz 7 wurden außerdem die Standardplätze entlastet.

Das war im Sommer 1991. Unser Zahlmeister musste kräftig durchschnaufen, denn immerhin hat die Veredelung des „Bermuda-Dreiecks“ runde 100.000,- D-Mark gekostet. Die „Kasse“ wurde 2 Jahre lang geschont; vom künftigen Bauen war keine Rede!

Erste Überlegungen zu einem Unterstand gab es erst wieder 1993. Vorausgegangen war ein Beschluss im Vorstand, in Sachen Tennisunterstand bei der Stadt eine Bau- voranfrage zu starten. Zu einer nun vorliegenden Vorplanung gab es Abstimmungs- gespräche mit dem Gartenbauamt, dem Bauordnungsamt und der Naturschutzbehörde. Ende 1994 wurde die fertige Planung der Tennisabteilung vorgestellt und daraufhin die Baugenehmigung beantragt.

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Im März 1995 gab es bei überfüllter Hauptversammlung anhand der Planung mit einem großen Modell einen beinahe einstimmig gefassten Beschluss, diesen Unterstand für maximal 200.000,- DM zu bauen. Bald darauf folgte die große Ernüchterung durch die Stadt: Das Gartenbauamt und die Naturschutzbehörde wollten die Genehmigung verhindern.

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Es gab einen Ortstermin unter der Leitung unseres Rüppurrer Tennisfreundes Franz Negele vom Bauordnungsamt. Man verzichtete unsererseits auf einen unnötigen Pflasterstreifen und opferte eine Abstufung am Unterstand, um die nordöstlich befindliche Linde zu schonen. Schließlich legte meine Studentin Annette Sack noch die Planung ihrem Vater, dem damaligen Baubürgermeister Sack, ans Herz. Das alles zusammen half: im August 1995 lag schließlich die Baugenehmigung vor.

Das war aber noch nicht der berühmte „Rote Punkt“!

Den gab es erst im Mai 1996 mit der Baufreigabe, nachdem auch die wasserrechtliche Genehmigung eingeholt und alle konstruktiven Ausführungszeichnungen hinsichtlich der Statik vorgelegt werden konnten. Dieser Zeitabschnitt mit seiner mühseligen Detailplanung war niemand mehr im Verein so recht zu vermitteln; dass nach der Baugenehmigung noch geplant werden musste, wollte niemandem in den Kopf. Ich zog es vor, mich auf der Anlage nicht so häufig sehen zu lassen. Den „Volkszorn“ bekam weit mehr meine Frau Barbara zu spüren.

Darauf folgte mit der Vereinsleitung das Geschäft der Ausschreibung mit einem großen Bieterkreis, um die Kosten im Griff zu behalten, nicht ohne Grabenkrämpfe, versteht sich, teilweise auch etwas unterhalb der Gürtellinie. Als dann am 10. März 1997 das Holz anrollte, überkam mich eine gewisse Erleichterung, wie man sich vorstellen kann. An dieser Stelle möchte ich all jenen gedenken, die dieses Unternehmen mit heißem oder auch nur ehrlichem Herzen wirklich unterstützt haben, allen voran unser damaliger Abteilungsleiter Hans-Dieter Hadasch, der nicht müde wurde, mich jahrelang bei Laune zu halten.

Ich gedenke auch unseres damaligen 1. Vorsitzenden, Günter Brümmer, mit seinen Bauherren- und Führungsqualitäten. Ohne ihn gäbe es heute keinen 7. Tennisplatz und keinen Tennisunterstand.

Letzterer ist ein Holzskelettbau, der durch Wände, Andreaskreuze und die Deckenscheibe ausgesteift wird. Das bestehende massive Gerätehaus sollte nach wie vor einbezogen werden und bestimmt die Konstruktionseinheit von 2,70 x 3,60 Meter.

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Ein Bachlauf mit einem parallelen Zaunfundament sowie die Lage der Tennisplätze ergaben einen trichterförmigen Bauplatz, dem der Bau in abgestufter Form folgt. Die besondere Lage in einem Landschaftsschutzgebiet prädestinierte einen Holzbau ohne Chemie und ein begrüntes Dach.

Ein gutes Holz (Douglasie) und eine gut überlegte Konstruktion sorgen dafür, dass dieser Unterstand auch ohne Chemie altern kann. Nach 20 Jahren darf er auch grau werden wie unsere Haare mit zunehmendem Alter schließlich auch. Der „Konstruktive Holzschutz“ und ältere TUSler überleben das ohne Probleme! Wo wir bewusst auf die teure Abblechung der Pergola-Balken verzichtet haben, mussten nach 20 Jahren einzelne Balken ausgewechselt werden; das erscheint mir vertretbar.

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Der Tennisunterstand bietet Platz für den vorübergehenden Aufenthalt und kleine Feste unter Dach bzw. der bewachsenen Pergola. Ein Bar-Tresen für den Ausschank und die Turnierleitung grenzt den Aufenthalts- gegen den Versorgungsbereich (Gerätehaus) ab. Zwei Umkleideräume mit Waschgelegenheit erlauben den schnellen Kleiderwechsel zwischendurch, insbesondere bei Turnieren. Der Tennisunterstand ist zu den Tennisplätzen hin bis auf Brüstungshöhe vollständig geöffnet.

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Die Belichtung der rückwärtigen Raumteile erfolgt durch umlaufende, offene Oberlichter, unterstützt durch Lichtkuppeln auf dem Dach. Jochen Müller, unser „Jockel“, hat es sich als gelernter Elektriker nicht nehmen lassen, die Elektroinstallation optimal auszuführen, einschließlich Wärmestrahler für kühle Sommertage und abendliche Feste. „Jockel“ war die Seele der Tennisanlage und nahezu täglich vor Ort, so daß man nach dem Tennisspiel in oder am Unterstand mit Getränken bewirtet die Anlage genießen konnte.

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Bereits beim Richtfest wurde die alte hässliche Belegtafel bemängelt. Ich machte mich an   die  Planung und ließ von unserer Holzbau-Firma ein Angebot machen, das als möglicher Anschluss-Auftrag recht günstig ausfiel.

Als alle Mitstreiter auf der Anlage mir rieten, die günstige Gelegenheit zu nutzen, erteilte ich den Auftrag ohne Abteilungs- und Hauptversammlung. Als die Rechnungen kamen, gab es Ärger, obwohl mit der schönen neuen Beleg- und Anschlagtafel im Stil des Unterstandes eine gelungene Abrundung der Anlage erreicht war.

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Karlsruhe, den 7.Juli 2018


Die Spielerinnen und Spieler der ersten Stunde, die im 40. Jahr der Tennisabteilung noch oder wieder Abteilungsmitglied sind, dürfen wir für die Treue und das Engagement beglückwünschen.

Armbruster, Isolde
Augenstein, Helmut
Baier, Anita
Baier, Horst
Baier, Klaus
Balley, Gudrun
Baumstark, Edith
Dörrwächter, Constance
Froböse, Karl-Heinz
Götz, Erika
Greß, Michael
Hafner, Reinhild
Heck, Rolf
Janisch, Silke
Jeß, Hans-Henning
Joachim, Peter
Kessel, Carola
Linz, Karl, Heinz
Linz, Rosemarie
Mehrtens, Jochen
Misch, Renate
Obermeier, Michael
Raab, Joachim
Raab, Ingrid
Rastätter, Matthias
Rößler, Marc
Rößler, Hannelore
Sauer, Waltraud
Schmitt, Christa
Schweiß, Manfred
Schwingen, Birgit
Sütterlin, Uwe
Sütterlin, Barbara


Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sich in der neu gegründeten Tennisabteilung zwei Gruppen mit konträren Zielen.

Die eine wollte jederzeit unbehindert in Freizeitsportform ihrem Hobby Tennisspielen frönen. Sie betrachteten die Tennisabteilung des TUS als ihre Freizeiteinrichtung in der sie sich mit Gleichgesinnten beim Tennisspielen treffen konnten. Eigentlich ein sehr legitimer Wunsch.

Ja wenn da nicht die anderen wären, die den Tennissport in einem gewissen Sinne als Leistungssport betreiben wollten. Die sich mit andren Vereinen im Vergleich messen wollten. Die wissen wollten wo sie mit ihrer persönlichen Leistung stehen. Hier gab es eine gute Möglichkeit, indem man Mannschaften für die Medenspiele anmeldete. Eigentlich ebenfalls verständlich und sehr legitim. Aber mit einemgewissen Nachteil für die erste Gruppe behaftet.

Während diese ihre Spielzeit exakt auf der Anzeigetafel eingetragen hatten, war dies bei der anderen natürlich nicht möglich, da man nie wusste wie lange ein solches Spiel dauerte. Ergo mussten Plätze für die Dauer einer solchen Begegnung reserviert werden. Was die andere Gruppe als eine nicht legitime Beschneidung ihrer Spielmöglichkeiten betrachtete.

Die daraus resultierende Diskussion ist in den nachfolgenden Eingaben zur Abteilungsversammlung und Abschnitten aus den entsprechenden Protokollen dieser Versammlung nachzuvollziehen:

Antrag von Arnold Schuler vom 13.11.1985

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Ergebnis nach heftiger Diskussion:
Für den Antrag stimmen: 27
Gegen den Antrag: 60
Enthaltungen: 6

Damit ist der Antrag abgelehnt!

 

Antrag Helmut Augenstein vom 15.11.1988

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Ergebnis nach heftiger Diskussion:
Für den Antrag stimmen: 41
Gegen den Antrag: 18
Enthaltungen: 3

Damit ist der Antrag angenommen.

 

Antrag Jochen Müller vom 13.11.1988

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Ergebnis nach heftiger Diskussion:
Für den Antrag stimmen: 26
Gegen den Antrag: 34
Enthaltungen: 2

Damit sind die Anträge abgelehnt!

 

Antrag Jochen Müller vom 15.11.89

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Auszug aus dem Protokoll der Abteilungsversammlung vom 23.11.89

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Nun scheint der Durchbruch gelungen. Leider scheint das nur so!

Die erste Gruppe kämpft hart um ihr Recht (das darf sie selbstverständlich):

 

Text Schreiben des Herrn Lumpp vom 25.11.1989

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Dieses Schreiben löst dann die Einladung zu einer außerordentlichen Abteilungsversammlung aus.

 

Text der Einladung zur außerordentlichen Versammlung am 19.1.1990:

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Ergebnis

Textausschnitt aus dem Protokoll der Versammlung:

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Inzwischen schreiben wir das Jahr 1990, die Tennisabteilung besteht seit bereit 12 Jahren- Jetzt endlich scheint es eine Einigung zu geben. Man hat eine Ergänzung zur Spiel- und Platzordnung formuliert mit dem Inhalt, dass unter der Voraussetzung des Baus des 7. Spielfeldes 5 Mannschaften zur Medenspiele gemeldet werden dürfen. Weitere Meldungen sind bei Bedarf erlaubt, allerdings muss dies mit einfacher Mehrheit in der Abteilungsversammlung beschlossen werden. Die oben erwähnten Änderungen mussten aber noch mit 2/3 Mehrheit beschlossen werden. Diese Abstimmung erfolgte und oh Wunder sie gelang.

Ergebnis:

Zustimmung: 40
Ablehnung: 2
Enthaltung: 1

Es war am 15.11.1990 geschafft!


Es gibt Menschen, bei denen Fairness, Rücksichtnahme, Gerechtigkeitssinn und Gleichbehandlung Aller in ihrer DNA Struktur verankert ist. Dies sind eigentlich sehr sympathische Menschen mit denen man sehr gut auskommen kann. Aber ab und zu schießen sie dann doch etwas über das Ziel hinaus. Hans-Henning Jeß beantragte, genervt von den Tenniskollegen, die sich permanent, mit dem durch die Platzordnung verbotenen schieben der Reservierungsmärkchen persönliche Vorteile verschafften, eine drastische Vorgehensweise. Siehe nachfolgenden Antrag zur Änderung der Spiel- und Platzordnung:

Hier folgt der Text des Antrags:

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Der Antrag wurde allerdings nach eingehender Prüfung durch die Abteilungsversammlung mit 10 zu 50 Stimmen abgelehnt.


Es ist sechs Uhr früh an einem herrlichen Sommermorgen. Auf der TUS Anlage rührt sich noch nichts. Doch plötzlich betritt eine Person den grünen Rasen, überquert ihn zügig, um dann zwischen den Bäumen der gegenüberliegenden Pappelreihe zu verschwinden.

Ziel seines frühen Besuches ist die Reservierungstafel der Tennisanlage. Flugs belegt er einen Platz für 18.00 Uhr abends mittels der mitgebrachten Märkchen seiner Mitspieler. Der Abend ist gerettet.

Gleiche Stelle andere Uhrzeit. Wir schreiben inzwischen 18.45. Die Herrenrunde des Frühbelegers spielt bereist 45 Minuten. Dabei wird nicht nur Tennis gespielt, nein der Spieler der mit dem besten Blick zur Anlage steht, hat neben dem Spiel die Aufgabe die Anlage zu beobachten. Und tatsächlich ein weiterer Spieler nähert sich der Anlage. Nun kommt der Spieler zum Zug, der  am nahesten beider Reservierungstafel spielt.

Er sprintet dorthin, verschiebt die entsprechenden Märkchen um 45 Minuten nach hinten und schon kann die Herrenrunde vergnügt noch 45 Minuten länger spielen.

Und nun kommt Kurt Bayerl ins Spiel. Mit seinem Antrag zur Platzordnung, der dann auch realisiert wird, ist diesem Spuk ganz schnell ein Ende bereitet.

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